Über die Aktivitäten des Kurses berichtete F. Klausmeyer in der IVZ am 14.01.23

Projektkursus der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln startet Spendenaktion für arme Senioren in Afrika – Soziales Engagement lässt sich lernen

Von Frank Klausmeyer

WESTERKAPPELN/LOTTE. Die Jugend von heute ist besser als ihr Ruf, den sie oftmals – vor allem in der älteren Generation – genießt. Fast die Hälfte aller Jugendlichen engagiert sich nach einer Umfrage des Online-Portals Statista sozial. Dabei lässt sich soziales Engagement lernen. Das beweist ein Projektkursus, den die Gesamtschule Lotte-Westerkappeln (GeLoWe) in der Jahrgangsstufe 7 anbietet. Auch in diesem Schuljahr haben sich die 12- und 13-Jährigen wieder für arme Senioren in Afrika eingesetzt.

In der vergangenen Woche haben die Mädchen und Jungen einen symbolischen Spendenscheck an Andreas Flotmann vom in Osnabrück ansässigen Verein HelpAge Deutschland übergeben. Stolze 896,57 Euro haben die Schülerinnen und Schüler für Senioren in Tansania zusammenbekommen und damit das Ergebnis des vergangenen Jahres um mehr als 150 Euro übertroffen.

Den Projektkursus „Soziales Engagement“ gibt es seit 2016 an der GeLoWe. „In diesem Schuljahr haben ihn 14 Siebentklässler belegt“, berichtet Lehrerin Juliane Schiepeck, die von Beginn an dabei ist. Ihr Kollege Andreas Wilms betreut den Kursus mit.

Im Unterricht gab es natürlich Infos zu HelpAge und deren Projekt „Jede Oma zählt“. Vor allem aber ging es darum, eine Spendenaktion zu organisieren und in die Tat umzusetzen. „Wir haben dafür erst mal eine Agentur gegründet“, erzählt Jannis Meyer. „Alle waren auf Augenhöhe. Es gab keinen Chef“, betont der Zwölfjährige aus Westerkappeln. Sogar ein eigenes Logo wurde entworfen.

Wer kümmert sich wann um was? Auch das galt es zu klären, weshalb ein Ablaufplan erstellt wurde. Im Rahmen eines Aktionstages „verdienten“ sich die Schülerinnen und Schüler Spenden durch freiwillige Arbeit bei den Großeltern. Lina Fieker (13) aus Schlickelde kochte und backte beispielsweise. Lenny Sazalowski (12) aus Mettingen durfte bei der Oma Sofas und Teppiche bürsten und draußen Laub fegen.

Dass die Spenden-Akquise einer gründlichen Vorbereitung bedarf, lernten die Schülerinnen und Schüler ebenfalls. In Westerkappeln, Mettingen und Osnabrück waren sie mit Sammelbüchsen unterwegs. „Das muss bei den Ordnungsämtern angezeigt werden“, sagt Juliane Schiepeck. Im vergangenen Jahr habe es wegen der fehlenden Anmeldung Ärger mit der Polizei gegeben.

In Geschäften muss man sich zuweilen durchfragen, um jemanden zu finden, der zum Spenden berechtigt ist. Ein örtliches Geldinstitut habe sogar 100 Euro gegeben. „Dafür mussten wir aber viel telefonieren“, sagt Jannis schmunzelnd.

Durchschnittlich 64,04 Euro sammelte jeder der jungen Leute ein. Damit lässt sich in Tansania viel bewirken, wie Andreas Flotmann sagt, der bei HelpAge für die Spenderbetreuung und das Projekt „Schüler helfen Senioren“ zuständig ist. Konkret würden alte Menschen unterstützt, die sich um ihre verwaisten Enkelkinder kümmern. „Die AIDS-Epidemie hat große Lücken in die mittlere Generation gerissen“, erläutert er.

Ein Rentensystem wie in Deutschland gibt es in Tansania nicht. Aus den Hilfsgeldern erhielten Großeltern 5,80 Euro im Monat, 2,80 Euro gebe es zusätzlich für jedes betreute Enkelkind. „Ein Kilo Reis kostet 90 Cent, Bohnen 60 Cent“, sagt Flotmann auf die Frage, wie weit man mit der auf den ersten Blick kleinen finanziellen Unterstützung kommt. Übrigens: Auch wenn das Projekt „Jede Oma zählt“ heißt, „bekommen auch Opas Hilfe“, betont der Spendenbetreuer.

Dass Spendensammler nicht überall willkommen sind, mussten die Schülerinnen und Schüler auch erfahren. Mit einem der Verbrauchermärkte an der Heerstraße habe es „Stress“ gegeben. „Wir durften nicht auf dem Grundstück stehen, sondern sollten uns auf die Straße stellen“, berichtet Jannis Meyer. Die jungen Leute nehmen diese und andere eher unfreundlichen Begegnungen wortwörtlich mit Humor. „Da gab es so viele witzige Situationen, dass wir daraus jetzt eine Comedyshow machen. Das gibt gute Gags“, kündigt Jannis an. Der Eintritt solle ebenfalls einem sozialen Zweck zugute kommen.

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