Westfälische Nachrichten, 05.04.2019 (von Frank Klausmeyer)

Auf dem Eckgrundstück Burgweg/Am Kapellenweg steht seit Donnerstag ein himmelblauer Zirkuswagen. Die Manege, wenn man so will, kommt erst später. Der alte Wohnanhänger ist der erste deutlich sichtbare Meilenstein für das Gartenprojekt „Biologische Vielfalt“.

Gartenprojekt Biologische Vielfalt nimmt Gestalt an Ein Zirkuswagen fuer das Regenbogenland image 1024 width
Einen Scheck über 5000 Euro übergaben Carl-Christian Kamp (Mitte) und Raphael Köllmann im Namen der Kreissparkasse Steinfurt an Gesamtschulleiter Manfred Stalz (links), die Wespe.Vorsitzende Petra Kleen und Anja Peters vom Kindergarten Am Kapellenweg (rechts). „Unsere Kinder brennen schon darauf, dass es richtig los geht“, sagt die Kita-Leiterin. Foto: Gemeinde Westerkappeln

Das Projekt wollen das evangelische Familienzentrum Am Kapellenweg, die Gesamtschule Lotte-Westerkappeln und der Förderverein Wespe gemeinsam auf dem 5500 Quadratmeter großen Gelände realisieren.

Mag auch der eine oder andere Westerkappelner das Vorhaben anfangs vielleicht für eine spinnerte Idee gehalten haben, die Projektträger geben bei der Umsetzung unbeirrt Gas. Den Zirkuswagen hat Manfred Stalz, Leiter der Gesamtschule, günstig bei Ebay „geschossen“. Am Donnerstag wurde das Gefährt aus Bocholt per Lkw angeliefert und mit Unterstützung des Bauhofes abgeladen und an seinen Platz gestellt.

Im Plan steht ein Bauwagen an der Stelle. Der Zirkuswagen bietet aber noch mehr Platz und Möglichkeiten. Darin soll unter anderem eine kleine Werkstatt eingerichtet werden. „Wir müssen den Wagen aber noch renovieren“, sagt Petra Kleen, die Vorsitzende des Fördervereins Wespe.

Wie gerufen kamen Freitagvormittag Carl-Christian Kamp, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Kreissparkasse (KSK) Steinfurt, und Raphael Köllmann, Leiter des KSK-Beratungscenters Westerkappeln, die einen Spendenscheck über 5000 Euro mitgebracht hatten. „Das können wir gut gebrauchen“, freut sich Kleen.

Größere und kleine Spenden haben Familienzentrum, Gesamtschule und Wespe schon einige gesammelt. „Allein im März sind 1000 Euro bei uns eingegangen“, betont Stalz. Demnächst wolle man ein Crowd­funding – zu deutsch: Schwarmfinanzierung – starten, berichtet Petra Kleen. Wäre das Gartenprojekt öffentlich ausgeschrieben worden, müssten die Träger nach Berechnungen des begleitenden Fachbüros Ideenwerkstatt Lebens(t)raum e.V. weit über 200 000 Euro stemmen. So ist das aber nicht gedacht: Hauptsächlich ist Eigenleistung gefragt. „Groß und Klein, Jung und Alt, Kinder, Schüler und Eltern – alle machen zusammen was“, erklärt Anja Peters, Leiterin des Familienzentrums Am Kapellenweg zum Grundgedanken.

„Lernen mit Kopf, Herz und Hand“, bringt Manfred Stalz den pädagogischen Ansatz auf den Punkt. Die Gesamtschule gehört zu den treibenden Kräften des Gartenprojekts. Unlängst haben Schülerinnen und Schüler 2000 Heckenpflanzen gesetzt. Und ab Ende Mai wird die Gesamtschule einmal wöchentlich auf der Fläche ackern. Im Rahmen des Projektunterrichts in der Jahrgangsstufe 7 sollen immer mittwochs von 8 bis 11 Uhr Schüler in Kleingruppen am Burgweg aktiv werden. „Insgesamt sind über 50 Schüler beteiligt“, betont Stalz.

Viele Arbeiten sollen parallel laufen. So wird bald auch ein Schafstall gebaut. Tiere zu halten, sei ein großer Wunsch der Kinder gewesen, betont Anja Peters.

Das Konzept für das Gartenprojekt haben Gesamtschüler in Abstimmung mit dem Kindergarten in zwei Workshops entwickelt. Auf dieser Grundlage haben die Landschaftsarchitekten der Ideenwerkstatt Lebens(t)raum den Plan entworfen. Danach sollen unter anderem Obst und Gemüse angebaut, eine Streuobst- und eine Blumenwiese angelegt, Spielgeräte gebaut, Kunstwerke installiert und sogar – neben dem Zirkuswagen – ein zentraler Platzes für Feste und Feiern geschaffen werden.

Bild image 1024 width

Foto: Ideenwerkstatt Lebens(t)raum e.V.

Nicht alles auf einmal und nicht alles in diesem Jahr. Das Projekt ist langfristig angelegt. Die evangelische Kirchengemeinde hat das Grundstück für 15 Jahre verpachtet – kostenlos. Die politische Gemeinde ist auch beteiligt. Sie übernimmt die Kosten – etwa 10 000 Euro – für ein notwendiges Bebauungsplanverfahren.

Hätte KSK-Manager Kamp am Freitag einen Hut auf gehabt, hätte er diesen wohl gezogen: „Wenn ich das alles so sehe, wird das ein Paradies.“ Mittlerweile ist dieses Paradies auf „Regenbogenland“ getauft worden. Den Namen haben sich Gesamtschüler ausgedacht – natürlich in Absprache mit Wespe und dem Kindergarten.