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Im Interview sprachen wir (Carolin N, Shehrije und Carolin) mit Herrn Stalz über vegane Ernährung. Wir hoffen, es gefällt euch!

„Vegane Ernährung ist gesund und hilft zugleich der Umwelt“

 

SZ: Seit wann sind Sie Veganer?

Ich lebe seit sieben Jahren vegan.


SZ: Warum sind Sie Veganer geworden?
Das hat verschiedene Gründe. Erstens natürlich wegen der gesunden Ernährung. Ich habe mich damals sehr intensiv mit Ernährungsstudien beschäftigt und mit dem, was wissenschaftlich gesunde Ernährung eigentlich bedeutet und da ist der Trend eindeutig, dass alle Ernährungswissenschaftler einfach sagen, dass die Ernährung umso gesünder ist, je vollwertiger die Nahrung ist (frisches Obst und
Gemüse, Samen, Nüsse, Getreide) und je weniger Anteile an tierischen Produkten sie enthält.


„Ich fühle mich heute sehr wohl, viel fitter.“

Und das habe ich dann selbst auch sehr schnell gemerkt, als ich dann vegan geworden bin. Also verschiedene kleine Krankheiten, einige Dinge sind sehr schnell verschwunden und ich fühle mich seitdem auch sehr wohl, viel fitter. Ich habe keine Mittagsmüdigkeit mehr wie früher, als ich dann einen schweren Bauch hatte nach dem Mittagessen. Also das hat mir von der gesundheitlichen Seite rundum gut getan. Der zweite Grund ist, dass ich damals angefangen habe, mich damit zu beschäftigen, was es eigentlich bedeutet, dass wir Tiere als Nutztiere halten und bin in den Recherchen auf sehr viel Tierleid gestoßen, denn das Internet ist voll davon. Aber auch wenn man eine ganz normale Massentierhaltung sieht, wo keine
Tierschänder am Werk sind, sondern wo die Tiere normal gehalten werden, sieht man einfach das unendliche Leid und man spürt es auch.

„Wir alle müssen Angst haben um das Klima der Zukunft.“

Und der dritte Grund ist etwas, was in den letzten Jahren auch sehr deutlich geworden ist, und zwar, dass unser Klima ziemlich leidet und wir alle Angst haben müssen um das Klima der Zukunft. Ihr verfolgt ja sicher auch die Bewegung ,,Fridays for Future“, die von einer 16-jährigen Schwedin ausgeht, die auch Veganerin ist. Was die meisten eben nicht wissen und was auch häufig verschwiegen wird ist, dass die Massentierhaltung dem Klima am meisten zusetzt. In Südamerika werden riesige Landflächen z.B. für Soja benötigt, das dann wieder als Tierfutter verwendet wird. Und wenn man alle Begleiterscheinungen der Massentierhaltung errechnet, also die Transportkosten, Erzeugungskosten, dann zeigt sich eben, dass die Massentierhaltung Klimafaktor Nummer eins ist auf der Welt. Es wird mehr CO2 dadurch verursacht als durch sämtliche Verkehrsmittel der
Welt zusammen.

„Es gibt viele Ersatzprodukte auf pflanzlicher Basis, die immer besserwerden.“

SZ: Müssen Sie auf Vieles verzichten?
Also nach sieben Jahren überhaupt nicht mehr, denn inzwischen ist es so, dass es in Geschäften viele Produkte gibt, die vegan sind. Ich habe auch den Geschmack von Fleisch nicht so vermisst und wenn, dann gibt es eben auch die Ersatzprodukte auf pflanzlicher Basis, die auch immer besser geworden sind in den letzten Jahren.


SZ: War es am Anfang schwer, zu verzichten?
Es war auf jeden Fall eine Umstellung. Ich musste eben auch sehr viel suchen, z.B. Milch oder Joghurt. Die Sorten schmecken ja sehr unterschiedlich. Bei manchen schmeckt man das Soja raus. Es gibt auch noch Haferprodukte. Man kann dadurch viel lernen, nämlich entsprechend zu kochen und einzukaufen. Insofern ist die Umstellung erstmal ungewohnt, aber nach einiger Zeit ging das dann sehr gut. Heute vermisse ich überhaupt nichts mehr.

SZ: Wie ist es, wenn Sie zum Essen bei jemandem eingeladen sind? Gibt es dann da auch etwas Veganes?
Ja, die meisten Leute, die mich einladen, wissen, dass ich vegan lebe und sind dann einfach so nett und bereiten dann auch etwas Veganes zu oder ich frage vorher kurz, ob ich selbst etwas mitbringen soll, wenn das den Leuten zu aufwändig ist. Meistens findet man aber auch bei den Dingen, die da sind, genug pflanzliche Sachen, die man essen kann. Das war jetzt auch noch nie ein größeres Problem.

„Inzwischen haben wir eine vielfältige Küche.“


SZ: Sind Sie ein strenger Veganer?
Bei Fleisch mache ich überhaupt keine Ausnahmen, aber was mal passieren kann ist, dass ich im Hotel oder in einem Restaurant nicht sicher weiß, was für Lebensmittel in einem Essen drin sind. Dann würde ich jetzt auch etwas bestellen, wo ich mir jetzt nicht so sicher bin, ob es vegan ist. In den meisten Fällen muss man aber gar keine Kompromisse machen. Ich versuche trotzdem, konsequent zu sein.

SZ: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, sich wieder ,,normal“ zu ernähren?
Da ich mich die ganze Zeit wohlgefühlt habe, ist der Gedanke noch gar nicht gekommen, zumal auch meine ganze Familie vegan lebt. So ist es für uns natürlich auch einfacher, denn wir können für alle gleich kochen. Inzwischen haben wir auch eine sehr vielfältige Küche.

SZ: Würden Sie anderen empfehlen, vegan zu werden?
Ja, auf jeden Fall. Eben aus den Aspekten, die ich schon genannt habe. Ich weiß, dass es die gesündeste Ernährungsform ist, dass durch nicht vegane Ernährung das Klima sehr geschädigt wird und dass die Tiere sehr leiden, wenn wir sie als Nutztiere nutzen. Und insofern kann ich das uneingeschränkt empfehlen.


SZ: Was essen Sie bei besonderen Festen, z.B. Ostern?
Das, was andere essen, nur eben auf eine veganisierte Art und Weise. Also wir machen dann auch Gulasch, Braten, Soßen oder Aufläufe, eben all das, was man auch als Nichtveganer isst, nur in einer pflanzlichen Form. Salate essen wir natürlich besonders gern. Wir haben z.B. schon mal eine komplette Hochzeit für 70 Leute ausgerichtet und haben dort nur vegane Produkte präsentiert. Ich glaube, einige haben das gar nicht gemerkt, weil inzwischen die Geschmacksrichtungen auch schon sehr gut ausgestaltet werden können.

SZ: Welche Gefahren hat Ihre Ernährung?
Es gibt ein Produkt, auf das immer wieder hingewiesen wird. Das ist das sogenannte B12. Das ist ein B-Vitamin, das der Mensch braucht, was aber
natürlicherweise nur im Boden vorkommt. Es sind Bakterien, die die Tiere eben über die Nahrung zu sich nehmen und der Mensch dann wiederum über die Tiere oder über die Milch. Da muss mal einfach als Veganer drauf achten, dass man Vitamin B12 zu sich führt. Das gibt es in Form von Nahrungsergänzungsmitteln, sodass man eben in dem Bereich nicht in einen Mangel kommt. Bei allen anderen Sachen ist es so wie bei Nichtveganern auch, man kann immer zu wenig von bestimmten Vitaminen haben. Man muss sich eben sehr vielfältig und von frischen Dingen ernähren, so dass alle Nahrungsgruppen und alle Vitamine abgedeckt sind. Aber das gilt für Veganer wie für Nichtveganer. Zusammenfassend
lässt sich sagen, vegane Ernährung ist gesund und hilft zugleich der Umwelt.